Resolution der Österreichischen
Gesellschaft für Kulturgüterschutz (ÖGKGS)
anlässlich der zum 50- Jahrjubiläum
der Unterzeichnung der Haager Konvention zum Schutz
von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten stattgefundenen
Kulturgüterschutz-Tagung auf Schloss AMBRAS in Tirol,
5. – 7. Oktober 2004, zum Thema:
Der Stellenwert des Kulturgüterschutzes im
gewandelten Bedrohungsbild
- Neue Aufgaben für Politik und die Einsatzorganisationen
1. Die ÖGKGS unterstützt die Intentionen der „Haager
Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten“ vom 14. Mai 1954 sowie deren
Zusatzprotokolle und wird sich in Zukunft verstärkt bemühen, deren Umsetzung sowohl im militärischen
Bereich wie in einer breiten, zivilen Öffentlichkeit zu fördern. Dies gilt auch bezüglich
der „Pariser Konvention 1972 zu Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“. Eine Intensivierung der Aktivitäten
im Rahmen der in der Internationalen Liga vereinigten nationalen Kulturgüterschutzgesellschaften
und Beobachtern aus 9 europäischen Ländern wird angestrebt.
2. Das Kulturgut eines Landes ist ein wichtiges Symbol der
kulturellen Identität seiner Bevölkerung. Dementsprechend sind Respekt und Verständnis gegenüber
dem überlieferten kulturellen Erbe zu forcieren, - als wesentliche Voraussetzung zu einer von der
Allgemeinheit getragenen Bewahrung.
3. Es ist für Interesse und Bereitschaft bei den jeweiligen
Sachwaltern(z.B. Museen, aber auch privaten Eigentümern) von Kulturgütern zu werben, um schon
vorzeitig geeignete Schutz- bzw. Bergungsmaßnahmen zu planen und zu organisieren.
4. Zur Gefährdung des Kulturgutes durch militärische
Aktionen herkömmlicher Art verstärken sich eine Reihe ziviler Komponenten, wie profitorientierte Verwertung,
Kunstraub, illegaler Kunsthandel, oder ausufernder Massentourismus, aber auch Naturkatastrophen.
Dazu kommen die Formen „neuer Bedrohungen“, die Gefahren mit sich bringen, die aufgrund
ihrer Asymmetrie durch die herkömmlichen Ordnungsprinzipien weitgehend nicht beherrschbar sind –
wie Terrorismus und die breite Palette der organisierten Kriminalität. Immer wieder sind neben den
Menschen Kulturgüter Ziele von Angriffen.
5. Dieses gewandelte Bedrohungsbild bedingt auch einen Wandel
in der Denkweise und den Aktivitäten von Politik und den zur Bekämpfung bestimmten nationalen
und internationalen Einsatzorganisationen, aber auch bei den für die Sicherung und Bewahrung unseres
kulturellen Erbes engagierten Nichtregierungsorganisationen(NGOs). So hat die ÖGKGS
bereits vor Beginn der Kampfhandlungen im Kosovo und im Irak an die beteiligten Staaten und Organisationen
den dringenden Appell gerichtet, Kulturgüter im Einsatzraum zu respektieren.
6. Für diese Anliegen sind auch die Medien verstärkt
zu motivieren, ihre Berichterstattung so abzuwägen, dass sie nicht letztendes zu Propagandisten von Terrorismus
und Kriminalität werden. Es sollte präventiv agiert werden und die Verantwortlichen permanent zu umfassenderer
Vorsorge für die Kulturgüter aufgerufen werden.
|
HRi.R. DI. Dr. Peter
Swittalek eh
Vizepräsident |
DDr. Gerhard Sladek eh
Präsident |
|
Oskar
Kokoschka: Die Welt ist nicht das Eigentum einer einzigen
Generation |