php for news
News
„Kulturelles Erbe” - Vermächtnis und Auftrag
lautete der Titel eines internationalen Symposiums vom 26. bis 28. September 2007 in Klagenfurt.
mehr>>


10 Jahre Rumänische Gesellschaft für Kulturgüterschutz
Ein Beitrag des Präsidenten der ÖGKGS DDr. Gerhard Sladek.
mehr>>


News-Archiv


KGS-Journal 2008

KGS-Journal 2008

(Archiv)

Archäologisches Kulturgut versus wirtschaftliche Interessen

Rosia Montana - Frühhistorischer Bergbau in Gefahr

Wie aus Fachkreisen und Internetmeldungen entnommen werden kann, ist derzeit in Rosia Montana (Rumänien) ein Großprojekt zur Ausbeutung der dortigen Goldlagerstätten im Gang, wodurch neben massiven Umweltproblemen auch die historischen Bergbauzeugnisse gefährdet wären.
Gold wurde in dieser Region seit prähistorischer Zeit abgebaut. Unter den Römern nannte sich die Bergbausiedlung „Alburnus Maior“. Schon im 19. Jahrhundert wurden bei Ausgrabungen u. a. Wachstäfelchen gefunden, die die römische Arbeitsorganisation dokumentieren. Nach Prof. Alföldy sind auf dem jetzt unmittelbar gefährdeten Abbaugebiet unterirdische Stollen, Überreste historischer Bauten, Heiligtümer, Friedhöfe und Inschriften zu finden. Bisher konnte erst ein Bruchteil dieser antiken Schätze geborgen werden. Die römische Bergbausiedlung stellt demnach eine weltweit einzigartige Stätte dar.

Als Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kulturgüterschutz, einer Institution, die in der letzten Ausgabe der vorliegenden Zeitschrift vorgestellt wurde, setzte ich mich in den folgenden Wochen und Monaten mit zunehmendem Interesse mit diesem Problemkreis auseinander. Mir wurde dabei bald bewusst, dass die Erhaltung der archäologischen Stätten nur eine Facette darstellt und massive andere Probleme durch das Vorhaben einer kanadischen Bergbauunternehmung ausgelöst wurden.
Dieses Projekt sieht einen Abbau des in der Region von Rosia Montana nur mehr spurenweise vorhandenen Goldes vor. Traditionelle Abbaumethoden würden sich nicht rentieren. Man griff daher zu umweltbelastenden bzw. -verändernden Methoden, in dem die goldhältigen Hügeln abgetragen und in einer Cyanidlauge das Gold aus dem erzhaltigen Gestein ausgeschieden werden soll. Zur Schaffung des Cyanidsees soll eine mehr als 100 m hohe Staumauer errichtet werden. In mehreren Stellungnahmen wurde darauf hingewiesen, dass die durch den Einsatz von Cyanid verursachte Megakatastrophe in Baia Mare erst wenige Jahre zurückliegt.
Die Bemühungen der rumänischen Historiker (z. B. Prof. Piso) zur Erhaltung der wertvollen archäologischen Fundstätten einerseits und der vor Ort tätig werdenden privaten rumänischen Initiative „Alburnus Maior“ andererseits fanden bei den Verwaltungsstellen kein Gehör. Die kanadische Unternehmung setzte die Maßnahmen zur Absiedlung der einheimischen Bevölkerung fort. Zu den beiden obgenannten Problembereichen trat nun die Zerstörung alter, gewachsener Siedlungskomplexe als weitere Dimension hinzu. Anfragen und Ersuchen an den zuständigen rumänischen Minister für Kultur vor Erteilung der Abbaugenehmigung ein objektives Prüfverfahren einzuleiten, verliefen im Sande.
Die Misserfolge bei den rumänischen Regierungsstellen und Behörden wurden jedoch von einem zunehmenden internationalen Echo begleitet. So wurden Unterschriftenaktionen eingeleitet und Anfragen an rumänische Botschaften in einigen europäischen Staaten gerichtet. Eine Delegation von Abgeordneten des EU-Parlaments besuchte die Region, weiters erfolgte ein schriftliches Ersuchen von Alburnus Maior an den rumänischen Premierminister Nastase, sich für ein faires Prüfverfahren einzusetzen.
Eine andere wichtige Initiative in der eindringlich die massiven Umweltprobleme von Greenpeace Österreich aufgezeigt wurden, führte zur Zurücknahme eines von der Weltbank zur finanziellen Bedeckung des Projektes gedachten Kredites in Höhe von 250 Millionen US Dollar.
In einem unlängst mit dem Leiter und Organisator dieser Initiative, Hrn. DI Schuster, geführten Gespräch konnte ich mich über den letzten Stand der Entwicklung informieren.
Die durch die Zurücknahme des Weltbankkredites entstandene Finanzierungslücke soll durch die Bereitstellung von Geldmitteln überwiegend durch kanadische Pensionsfonds ausgeglichen werden. Die unterschiedlichen nationalen und internationalen Bemühungen haben insofern gefruchtet, als nun ein mehrmonatiges internationales Umweltverträglichkeits-Prüfungsverfahren im März 2004 eingeleitet werden soll. Die Situation bei den rumänischen Entscheidungsträgern ist gespalten, als es quer durch Regierung und Parlament „pro und contra“ – Stellungnahmen zu dem Projekt gibt. Eine wichtige Rolle wird in diesem Zusammenhang auch die Frage spielen, inwieweit ein zur Europäischen Union beitrittswilliges Land ein Vorhaben unterstützt, dessen Verwirklichung innerhalb der EU, in der projektierten Form, undenkbar wäre.
Was kann man aus diesen Geschehnissen für Lehren ziehen?
Bei dem vergleichsweise noch schlechten wirtschaftlichen Entwicklungsstand Rumäniens stellen derartige internationale Großprojekte immer eine Versuchung dar, einen vermeintlich positiven Beitrag zum Wirtschaftsaufschwung zu leisten. Andererseits lassen auch bei den Wohlstandsdemokratien knapper werdende Budgets in einzelne Bereichen Vakua entstehen und diese Staaten stoßen an ihre nationalen Grenzen, wenn sie auf Herausforderungen sogenannter „Globalplayer“ reagieren wollen. Solange die internationale Staatengemeinschaft nicht bereit ist, auf solche und ähnliche Vorkommnisse adäquat und auch angemessen schnell zu reagieren wird es Aufgabe der nationalen und internationalen privaten Initiativen sein, diese Lücke zu füllen.
Wir können nur hoffen, dass die unermüdlichen aus unterschiedlichen Bereichen kommenden Bemühungen letztendlich doch erfolgreich sein werden und verantwortungslose, ausschließlich am Gewinn ausgerichteten Unternehmungen und Investoren am Erreichen ihrer Ziele gehindert werden können. Man sollte meinen, dass der Erhaltung unseres kulturellen Erbes, einer intakten Umwelt und gewachsener Siedlungsstrukturen der Vorrang vor zweifelhaften Wirtschaftsprojekten einzuräumen ist.
Weiterführende Information siehe www.rosiamontana.org

Anton Schifter

Österreichische Gesellschaft für Kulturgüterschutz, Palais Palffy, A-1010 Wien, Josefsplatz 6, Tel. +43 1 5200-50973, office@kulturgueterschutz.at